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Dezember 2020

Lie­be Schwes­tern und Brüder,

mit dem ers­ten Advent gehen wir in ein neu­es Kirchenjahr.

Vor einer Woche haben wir am letz­ten Sonn­tag des alten Kir­chen­jah­res das Hoch­fest Christ­kö­nig gefei­ert. Jeden­falls ist das zu Ende gehen­de Jahr 2020 für uns alle ein ganz beson­de­res Jahr. Auch das zurück­lie­gen­de Kir­chen­jahr wird als ein außer­ge­wöhn­li­ches Jahr in die Geschich­te unse­rer Kir­che eingehen.

Welt­weit konn­ten Chris­ten den Höhe­punkt eines Kir­chen­jah­res, den Ein­zug Jesu in Jeru­sa­lem am Palm­sonn­tag und die drei öster­li­chen Tage vom Lei­den, Ster­ben und Auf­er­ste­hen des Herrn nicht in der gewohn­ten gemein­schaft­li­chen Form fest­lich begehen.

Die Coro­na-Pan­de­mie hat uns im ver­gan­ge­nen Kir­chen­jahr in Atem gehal­ten. Wir haben vie­le Unsi­cher­hei­ten erlebt und müs­sen uns bis heu­te immer noch sehr in Geduld üben. Sehr vie­les, was wir für das Jahr 2020 geplant hat­ten, konn­ten wir nicht in gewohn­ter Wei­se umset­zen. Neue For­ma­te des Mit­ein­an­ders waren gefragt. Video­kon­fe­ren­zen waren an vie­len Stel­len hilf­reich. Und doch kön­nen sie Prä­senz-ver­an­stal­tun­gen nicht erset­zen, die gera­de in unse­ren Gemein­den das Mit­ein­an­der prä­gen. Mit Dank­bar­keit
bli­cken wir auf die Erst­kom­mu­ni­on- und Firm­fei­ern zurück, die, wenn auch in außer­ge­wöhn­li­cher Wei­se, nach den Som­mer­fe­ri­en statt­fin­den konn­ten. Bei all dem muss­ten wir unser gewohn­tes Leben, unse­ren All­tag ein­schnei­dend verändern.

Was vor einem Jahr noch undenk­bar schien, ist für uns alle seit dem Früh­jahr die­ses Jah­res Wirk­lich­keit gewor­den: Kon­takt­be­schrän­kun­gen im pri­va­ten und fami­liä­ren Umfeld, erwei­tert auf den öffent­li­chen Raum, Ver­bot von Groß­ver-anstal­tun­gen, hier beson­ders die Pro­zes­sio­nen, der Kar­ne­val und die Schüt­zen­fes­te, Absa­gen von Got­tes­diens­ten über vie­le Wochen, Schlie­ßun­gen von Schu­len und Kin­der­ta­ges-ein­rich­tun­gen über län­ge­re Zeit, Home­of­fice als neue Mög­lich­keit im Arbeits­all­tag, Anstieg von Kurz­ar­beit und Arbeitslosigkeit.

Nicht weni­ge Men­schen haben immer noch Existenzsorgen.

Pan­de­mien und mas­si­ve Ein­brü­che in das Leben eines Vol­kes und von Men­schen hat es in der Geschich­te immer gege­ben. Unse­re Genera­ti­on hat so etwas noch nicht erlebt. Seit 75 Jah­ren erle­ben wir in unse­rem Land und in Euro­pa eine fried­vol­le Zeit, eine Zeit des wirt­schaft­li­chen Wohl­stands und der Sicherheit.

Alles das wur­de in die­sem Jahr mas­siv in Fra­ge gestellt. – Wer gibt uns in die­ser Situa­ti­on Zuver­sicht und Hoff­nung? Wer kann uns durch die Coro­na-Kri­se füh­ren? Wer kann uns in die­ser Lage hel­fen? Vie­le Men­schen haben sich in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten die­se ragen gestellt.

Die bibli­schen Tex­te im Advent berich­ten von schick­sals­haf­ten Erfah­run­gen der Men­schen, von ihren Exis­tenz­nö­ten und Unsi­cher­hei­ten. In der Bibel wird damit die Hoff­nung auf Gott ver­bun­den, der ret­tet und heilt, meis­tens auf eine Wei­se, die sich der Mensch nicht so vor­ge­stellt hat. Es sind Wor­te der Hoff­nung auf Got­tes heil­sa­mes Wir­ken, gera­de in den Zei­ten der Not.

Beson­ders deut­lich wird dies in der alt­tes­ta­ment­li­chen Lesung am 3. Advent (Jes 61,1–2a.10–11). Das Volk Isra­el kehrt erfüllt mit der Sehn­sucht nach ihrer Hei­mat aus der Ver­trei­bung zurück. In der Gefan­gen­schaft in Baby­lon hat­ten sie mit Trau­er und Weh­mut an Zion, an Jeru­sa­lem, ihre Got­tes­stadt und an den Tem­pel gedacht. Dabei war ihnen Gott und das Leben fern gewor­den. Jetzt aber dür­fen sie zurück in ihre Hei­mat. Es erwar­tet sie aber eine zer­stör­te Stadt und ein Tem­pel, der in Trüm­mern liegt. All ihre Träu­me
und Plä­ne für die Zukunft zer­plat­zen. Es ist schein­bar nicht mehr ihre Hei­mat. Dabei müs­sen sie auch noch in einer neu­en Abhän­gig­keit leben. Jetzt wer­den sie von den Per­sern unter­drückt. Hohe Steu­er­las­ten erschwe­ren einen Neu­auf­bruch in eine fried­vol­le Zukunft.

In die­se Situa­ti­on hin­ein erklin­gen die pro­phe­ti­schen Wor­te Jesá­jas, der einen grund­le­gen­den Wan­del ankün­digt: „Der HERR hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, um den Armen fro­he Bot­schaft zu brin­gen, um die zu hei­len, die gebro­che­nen Her­zens sind, um den Gefan­ge­nen Frei­las­sung aus­zu­ru­fen und den Gefes­sel­ten Befrei­ung, um ein Gna­den­jahr des HERRN aus­zu­ru­fen.“ (Jes 61,1–2a)

Es sind hoff­nungs­fro­he Wor­te des Mutes und Zuver­sicht in einer Zeit von Not und Bedräng­nis. Las­sen auch wir uns jetzt in der Zeit der Coro­na-Pan­de­mie von den bibli­schen Tex­ten des Advents ermu­ti­gen und uns auf Weih­nach­ten vor­be­rei­ten, dem Fest der Mensch­wer­dung Got­tes, der in unse­ren Her­zen ankom­men will.

Mit einem herz­li­chen Gruß

Pfar­rer Ans­gar Heckeroth